Vorwort
von Dr. Michael Moser
Mitglied des Vorstands
„Gemeinsam handeln“ – das ist das Motto unseres diesjährigen Sustainability Highlights Magazins. Und es beschreibt genau, wie wir Nachhaltigkeit bei Fresenius verstehen: als gemeinsame Aufgabe. Wir übernehmen Verantwortung da, wo wir Einfluss haben: in unseren Krankenhäusern in Deutschland und Spanien und in unserem globalen Netz von Produktionsstätten für Medizinprodukte.
Stories
Aus der Fresenius-Welt
Einblicke in die Nachhaltigkeitsaktivitäten in unseren Krankenhäusern und
an unseren Produktionsstandorten.
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Wenn jeder Tag zählt: EASYGEN soll Zelltherapien zugänglicher machen
Bei schweren Krebserkrankungen kann Zeit zum entscheidenden Faktor werden. Die CAR‑T‑Zelltherapie, eine hochwirksame und individuell hergestellte Immuntherapie, dauert in der Vorbereitung und Durchführung heute allerdings oft sehr lange. Hier setzt das von der EU geförderte Projekt EASYGEN (Easy workflow integration for gene therapy) an: Ein Konsortium aus 18 internationalen Partnern untersucht, wie sich die komplexen Herstellungs- und Versorgungsabläufe der speziellen Therapieform vereinfachen und besser in den Klinikalltag integrieren lassen.
Die CAR‑T‑Zelltherapie ist eine Form der Immuntherapie, bei der T‑Zellen einer Patientin oder eines Patienten entnommen, im Labor genetisch verändert und anschließend wieder zugeführt werden, um bestimmte Krebszellen zu erkennen und zu vernichten. Die Herstellung erfolgt immer individuell für jede einzelne Person, und sie erfordert eine spezialisierte Infrastruktur sowie umfangreiche Qualitätskontrollen. Dies nimmt bis zu sechs Wochen in Anspruch. Hinzu kommen internationale Transportwege und eine bisher begrenzte Zahl qualifizierter Zentren für die Therapieanwendung. Diese strukturellen Faktoren führen dazu, dass bislang nur ein kleiner Teil der infrage kommenden Patientinnen und Patienten einen Zugang zur Behandlung erhält. Weltweit haben bislang rund 45.000 Menschen eine solche Therapie erhalten (Stand: Dezember 2025), während der Großteil der Patientinnen und Patienten – in Europa rund 80 % (laut IQVIA Report 2025) – weiterhin unversorgt bleibt.
Der klassische Herstellungsweg:
Die Zellen durchwandern viele Stationen, etwa Transport, Laborprozesse wie Gefrieren und Qualitätsprüfungen. Das dauert typischerweise bis zu sechs Wochen, bevor die Patientin oder der Patient die CAR-T-Zellen zurückerhält.
Der Herstellungsweg mit EASYGEN:
Die Verarbeitung der Zellen erfolgt direkt vor Ort, wo sie gebraucht werden, in einem geschlossenen, automatisierten System. Der gesamte Ablauf von der Gewinnung der Zellen bis zur Rückgabe an die Patientin oder den Patienten soll dadurch auf unter 24 Stunden verkürzt werden.
Das Ziel von EASYGEN ist es, die vielen einzelnen Arbeitsschritte in Laboren und Kliniken besser aufeinander abzustimmen. Unter der Leitung von Fresenius arbeiten verschiedene europäische Unternehmen und wissenschaftliche Institutionen für einen schnelleren und leichteren Zugang von Patientinnen und Patienten zusammen. Standardisierte Module, eine digitale Dokumentation, klar definierte Schnittstellen und stärker automatisierte Abläufe sollen die komplexe Zellherstellung wie auch den Einsatz in der Versorgung langfristig vereinfachen. Dank EASYGEN könnte allein die Herstellung personalisierter Zelltherapien nur noch wenige Tage statt mehrerer Wochen dauern.
Bei Fresenius fließen dafür verschiedene Kompetenzen zusammen: Fresenius Kabi unterstützt das Projekt durch seine Expertise in der automatisierten Zellverarbeitung. Das bestehende geschlossene Zellwaschsystem Cue wird dafür um zusätzliche Funktionalitäten erweitert. Helios und Quirónsalud ergänzen das Projekt mit Erfahrungswerten aus der Anwendung von CAR‑T‑Therapien in deutschen und spanischen Krankenhäusern. Beide Klinikgruppen testen im Projektverlauf den neuen Herstellungsprozess unter realen Versorgungsbedingungen. Als Teil der Konzernfunktion Corporate Development übernimmt das Research Office die wissenschaftliche und strategische Leitung des europäischen Konsortiums. Es hat das Projekt konzipiert und angestoßen, fungiert als Hauptverantwortlicher (Principal Investigator) gegenüber der EU und steuert die übergreifenden Governance-Strukturen. Durch die gezielte Vernetzung der Partner, die internationale Positionierung des Projekts sowie die kontinuierliche Ausrichtung an wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen soll EASYGEN die Rolle von Fresenius im Innovationsfeld Zell- und Gentherapie stärken.
So kann das Projekt zu einer effizienteren und moderneren Gesundheitsversorgung beitragen und die Voraussetzungen schaffen, damit innovative Therapien künftig mehr Patientinnen und Patienten erreichen.
HeSaMeDa: Daten sicher nutzen für eine bessere Versorgung
Diagnostische und therapeutische Informationen, Untersuchungsproben aus dem Labor sowie weitere Behandlungsdaten: Krankenhäuser sitzen auf einem großen Datenschatz. Auswertungen dieser Daten können helfen, Zusammenhänge zwischen Therapieverfahren und Behandlungsergebnissen besser zu verstehen, Muster zu erkennen und innovative Behandlungsverfahren zu entwickeln. Außerdem lassen sich Prozesse analysieren und gezielt optimieren. So kann die Analyse der Daten einerseits zur Qualitätssicherung in der Patientenversorgung beitragen und andererseits genutzt werden, um wissenschaftliche Fragestellungen zu beantworten.
Bei Fresenius Helios in Deutschland verfolgen wir den Ansatz, die Behandlungsqualität mithilfe von Datenanalysen zu verbessern und so zum „Prinzip Helios“ beizutragen.
Medizinische Daten als Teil des Prinzips Helios
Datenanalysen können eine bessere Medizin ermöglichen
Behandlungsqualität kann durch Daten nachvollziehbar und verbessert werden
Prozesse können anhand der Daten analysiert und optimiert werden
Mehr Informationen zum Prinzip Helios finden Sie hier.
Helios Safe Medical Data
Das Problem: Oft sind die Daten nicht einheitlich strukturiert, da viele verschiedene IT-Systeme im Einsatz sind. Die HeSaMeDa-Plattform (Helios Safe Medical Data) kann helfen, indem sie unterschiedliche Daten aus den Helios Kliniken standardisiert. HeSaMeDa verarbeitet medizinische Daten ausschließlich pseudonymisiert, sodass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind.
Die zentralen Erkenntnisse aus dem Aufbau der Plattform fasst eine wissenschaftliche Studie zusammen.
Zentrale Erkenntnisse im Überblick:
Agilität schlägt Perfektion: Da Krankenhäuser unterschiedliche IT-Systeme nutzen, hat sich ein flexibler, schrittweiser Ansatz zur Standardisierung der Daten eher bewährt als eine sofortige Komplettlösung.
„Raw Data First“-Ansatz: Um Informationsverluste durch fehlerhafte Zuordnungen oder zu frühe Standardisierung zu vermeiden, werden Daten zunächst unverändert im Rohformat gespeichert und erst später aufbereitet und vereinheitlicht.
Automatisierung ist essenziell: In Forschungsbereichen mit häufig wechselnden Beschäftigten sind automatisierte Abläufe und versionierter Code – also Software, deren Änderungen nachvollziehbar dokumentiert sind – entscheidend, um zuverlässig arbeiten zu können.
Interoperabilität: Die Überführung von Daten in einen gemeinsamen Standard bleibt komplex, da bei der Vereinheitlichung wichtige Detailinformationen verloren gehen können.
Einwilligung und Datenschutz im Mittelpunkt
Für Patientinnen und Patienten gibt es zwei Stufen der Einwilligung: Einerseits können sie wählen, ob sie ihre Daten für Forschungszwecke freigeben. Darüber hinaus können sie erlauben, später für Studien kontaktiert zu werden. Alle Daten werden ausschließlich von Fresenius Helios verarbeitet.
Die Nutzung ist streng geregelt; hohe IT- und Datenschutzstandards schützen die sensiblen Informationen, u. a. im Einklang mit den deutschen Leitlinien der Guten Praxis Sekundärdatenanalyse (GPS). Ein übergeordnetes Gremium von Fresenius Helios entscheidet, wer die Daten zu welchem Zweck verwenden darf. Jeder Zugriff auf die Plattform ist dokumentiert und nachvollziehbar.
Datenanalysen und -technologien können wissenschaftliche Projekte wie auch die interne Qualitätssicherung unterstützen und zu einer effizienten und patientenindividuellen Behandlung nach anerkannten medizinischen Standards beitragen.
„Wir haben gezeigt, dass HeSaMeDa den klinischen Alltag unmittelbar verbessern kann. Ob wir durch das Erkennen redundanter Diagnostik unnötige Blutabnahmen reduzieren oder durch die zeitnahe Analyse von Komplikationen bei Herstellerwechseln zur Patientensicherheit beitragen: Diese Plattform ist das Werkzeug, mit dem wir medizinische Evidenz und operative Exzellenz gezielt weiterentwickeln wollen.“
Sebastian Ortleb
Leiter Daten und angewandte KI bei Helios Deutschland
„Ein Beispiel aus der Praxis ist der Nutzen von Robotik bei Operationen. Wir haben Daten aus dem Jahr 2025 ausgewertet. Sie zeigen, wie sich die Qualität der Versorgung durch diese minimalinvasiven Eingriffe verbessern kann: Kleinere Schnitte und präzisere Bewegungen haben im Vergleich zu konventionellen Operationen in der Vergangenheit z. B. zu kürzeren Liegezeiten und weniger Schmerzen geführt. Gleichzeitig haben die Datenanalysen geholfen, Abläufe im OP effizienter zu gestalten und Kosten transparent zu machen. Der Fall zeigt: Mit HeSaMeDa lassen sich Standards setzen, Risiken besser einschätzen und Investitionen gezielt planen.“
Prof. Dr. Jörg Pölitz
Leiter Klinische Forschung im Helios Health Institute
Momente, die etwas bewirken: So gestaltet Quirónsalud die Patientenerfahrung
Ein Krankenhausaufenthalt wird nicht nur vom Behandlungserfolg geprägt, sondern auch von alltäglichen Momenten: einer Pflegekraft, die sich Zeit nimmt zuzuhören, einer Ärztin oder einem Arzt, die oder der den nächsten Schritt verständlich erklärt, oder einem Team, das gut zusammenarbeitet. Diese Interaktionen beeinflussen entscheidend, wie Patientinnen, Patienten und ihre Angehörigen Versorgung erleben.
Quirónsalud versteht die Patientenerfahrung als die Summe genau dieser Momente. Deshalb wurden mehrere Initiativen eingeführt, die sich auf die Themen zwischenmenschliches Verhalten, Empathie und Teamarbeit im Klinikalltag konzentrieren: die „Beyond Empathy“-Initiative, das Handbuch für Notfallbehandlungen und die Quirónsalud Olympics.
Anerkennen: Beyond Empathy
Patientinnen und Patienten erinnern sich oft nicht nur dran, was medizinisch behandelt wurde, sondern auch, wie sie behandelt wurden. Die Initiative Beyond Empathy wurde ins Leben gerufen, um diese alltäglichen Momente sichtbar zu machen. Beyond Empathy lädt Patientinnen, Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu ein, solche konkreten positiven Verhaltensweisen hervorzuheben, die ihre Erfahrung wirklich verbessert haben.
Über ein Formular und ein Recognition Dashboard können Patientinnen und Patienten Dankesbotschaften einreichen, und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich gegenseitig für besondere Handlungen Anerkennung aussprechen. Diese Beispiele werden gesammelt und geteilt. So erhalten die Teams ein Bild davon, wie patientenzentrierte Versorgung im Alltag aussieht – und können voneinander lernen.
Mehr als 4.800 Beschäftigte nahmen an der Initiative teil.
Über 18.000 Anerkennungen reichten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für positives Verhalten ein.
Mehr als 270.000 Dankesbotschaften teilten Patientinnen und Patienten über das Recognition Dashboard.
Menschlicher gestalten: das Handbuch für Notfallbehandlungen
Notaufnahmen sind schnelle, komplexe Umgebungen, in denen sich Patientinnen und Patienten oft gestresst oder verunsichert fühlen. Klare Kommunikation und empathisches Miteinander können die Wahrnehmung der Versorgungsqualität entscheidend beeinflussen. Das Handbuch für Notfallbehandlungen bietet praktische Orientierung für alle, die an der Versorgung einer Notfallpatientin oder eines Notfallpatienten beteiligt sind – vom Empfang und dem Pflegeteam, über die Ärztinnen und Ärzte bis hin zu Transport‑, Sicherheits- und Reinigungskräften. Die Anwendung des Handbuchs schafft ein gemeinsames Verständnis dafür, wie Patientinnen und Patienten während ihres gesamten Aufenthalts angesprochen und unterstützt werden sollen.
Das Handbuch orientiert sich an fünf einfachen Prinzipien:
ZUHÖREN (OÍDO) – Wie wir zuhören und erklären.
BEOBACHTEN (VISTA) – Wie wir beobachten und wahrnehmen.
BERÜHREN (TACTO) – Ein professioneller, respektvoller körperlicher Umgang.
HERZ (CORAZÓN) – Empathie, emotionale Präsenz und Mitgefühl.
TEAM (EQUIPO) – Koordination und gemeinsame Verantwortung.
In Krankenhäusern, in denen es bereits eingeführt wurde, stieg die Patientenzufriedenheit um bis zu 15 NPS‑Punkte1. In den kommenden Jahren sollen ähnliche Handbücher auch für weitere Bereiche wie ambulante Operationen und Sprechstunden entwickelt und eingeführt werden.
Gamification: Quirónsalud Olympics
Die Quirónsalud Olympics setzen auf Gamification – also den Einsatz spielerischer Elemente –, um Teamarbeit und Engagement rund um Ziele der Patientenerfahrung zu stärken. In den „Summer Olympics“ arbeiten multidisziplinäre Teams der Kliniken gemeinsam an Herausforderungen im ambulanten Klinikalltag – etwa daran, Wartezeiten zu verkürzen, die Terminplanung zu optimieren oder Übergaben besser zu koordinieren. Die „Winter Olympics“ richten den Fokus auf die stationäre Erfahrung. Hier geht es unter anderem um den Hospitalisierungs‑NPS (den Weiterempfehlungs-Score für den stationären Aufenthalt), die Verständlichkeit von Informationen, Ruhezeiten, Kurzvisiten durch Klinikpersonal und Sicherheitsaspekte.
Doch die Olympics sind mehr als ein Wettbewerb: Sie fördern eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung. Denn die Teams analysieren dabei Behandlungsergebnisse, teilen Erfolgsgeschichten und lernen voneinander – über Krankenhäuser und Fachbereiche hinweg.
Gemeinsam zeigen diese Initiativen, wie die Patientenerfahrung durch Wertschätzung, praktische Leitlinien und Zusammenarbeit gestärkt werden kann.
1 Quirónsalud misst die Patientenzufriedenheit mithilfe des Net Promoter Score (NPS). Weitere Informationen zum NPS bei Quirónsalud finden sich im geprüften Nachhaltigkeitsbericht 2025.
Wie Fresenius Kabi den Zugang zu lebenswichtigen Therapien in der täglichen Versorgung unterstützt
Fortschritte in der Gesundheitsversorgung entstehen nicht nur durch bedeutende medizinische Innovationen. Ebenso ausschlaggebend ist in der täglichen Praxis der zuverlässige Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten, Medizinprodukten und Ernährungstherapien. Diese Therapien bilden die Grundlage für eine sichere und wirksame Versorgung und ermöglichen es dem medizinischen Fachpersonal, Behandlungen Tag für Tag konsequent durchzuführen. Fresenius Kabi trägt dazu bei, die dauerhafte Verfügbarkeit von bezahlbaren, hochwertigen Therapien zu gewährleisten, und arbeitet dafür eng mit Partnern im Gesundheitswesen zusammen.
Unser Beitrag auf einen Blick
Versorgte Patientinnen und Patienten: 2025 haben wir 450 Millionen Menschen mit lebenswichtigen Medikamenten, Medizinprodukten und Ernährungstherapien versorgt.
Lebenswichtige Medikamente: In den USA werden 67 % der von Fresenius Kabi im Jahr 2025 ausgelieferten intravenösen Arzneimittel von der US-Arzneimittelbehörde FDA als lebenswichtige Arzneimittel geführt. In Europa stehen 69 % der 2025 verkauften Generika-Produkte von Fresenius Kabi auf der von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) erstellten Unionsliste kritischer Arzneimittel.
Bezahlbarkeit und Systemnutzen: Der Zugang zu hochwertigen Generika und Biosimilars kann eine kostenbewusste Gesundheitsversorgung unterstützen und den Gesundheitssystemen helfen, den Behandlungsbedarf zu bewältigen (Quelle: Medicines for Europe1).
Impact Stories aus verschiedenen Ländern
Beispiele aus der täglichen Versorgung zeigen, wie zuverlässige Versorgungsstrukturen, Zusammenarbeit und fachliche Expertise in verschiedensten Bereichen eine patientenorientierte Versorgung ermöglichen. Die folgenden Fallbeispiele veranschaulichen, wie sich das Engagement von Fresenius Kabi bei der Bereitstellung von medizinischer Versorgung praktisch auswirkt – sie zeigen, wie der Zugang zu lebenswichtigen Therapien für Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen einen entscheidenden Unterschied macht und gleichzeitig das Gesundheitssystem entlastet.
1 – Deutschland: verbesserte Versorgungskontinuität durch individuelle Ernährungstherapie zu Hause
Wenn herkömmliche Versorgungswege an ihre Grenzen kommen, kann der Zugang zu spezialisierten Ernährungstherapien Patientinnen und Patienten mit komplexen Bedürfnissen weitere Optionen bieten. Wie bei Sonja: Nach einer langen und medizinisch anspruchsvollen Behandlung verschlechterte sich Sonjas Gesundheitszustand so sehr, dass sie in die Palliativversorgung überführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt standen im Rahmen der bestehenden Versorgung keine weiteren Ernährungsoptionen zur Verfügung.
Ein spezialisiertes Homecare-Pflegeteam von Fresenius Kabi beurteilte ihre Situation neu und veranlasste eine individuell angepasste parenterale Ernährung zu Hause. Die Therapie wurde begleitet von enger Überwachung, regelmäßigen Dosisanpassungen und praktischer Schulung. Im Laufe der Zeit gewann Sonja wieder an Kraft, Unabhängigkeit und Lebensqualität. Ihr Beispiel zeigt, wie der Zugang zu spezialisierten Ernährungstherapien eine durchgängige Versorgung ermöglichen und Patientinnen und Patienten helfen kann, in vulnerablen Phasen ihre Selbstständigkeit und Würde zu bewahren.
2 – Brasilien: Stärkung der Gesundheitskompetenz in der Krebsversorgung
Für Patientinnen und Patienten mit Leukämie oder Lymphomen und ihre Familien kann es sehr komplex sein, sich in den verschiedenen Behandlungspfaden zurechtzufinden. Ungleicher Zugang zu verlässlichen Informationen, fragmentierte Versorgungsstrukturen und logistische Hürden können eine ohnehin schon schwierige Situation weiter erschweren.
Partnerschaften zur Patientenunterstützung können dazu beitragen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Durch das Firmensponsoring von ABRALE, dem führenden Patientenverband für Blutkrebs in Brasilien, erhalten Patientinnen und Patienten sowie Pflegekräfte während des gesamten Krankheitsverlaufs Zugang zu strukturierten Informationen, Beratung und Unterstützung. Dies trägt zu einer verbesserten Gesundheitskompetenz, weniger Informationslücken und mehr Selbstvertrauen bei Familien bei, die sich in der komplexen Krebsversorgung orientieren müssen. Daran wird deutlich, wie Partnerschaften einen gerechteren Zugang zu Informationen innerhalb der Gesundheitssysteme fördern können.
Bis Ende 2024 betreute ABRALE bereits rund 57.000 Patientinnen und Patienten.
3 – Österreich: Anpassung der Immuntherapie an die Bedürfnisse von Kindern
Kinder mit schweren immunvermittelten Erkrankungen benötigen Therapien, die an ihre Körpergröße und an klinische Gegebenheiten angepasst sind. Viele Technologien wurden jedoch nicht unter Berücksichtigung pädiatrischer Bedürfnisse entwickelt. So ist für Kinder mit schweren immunvermittelten Erkrankungen die extrakorporale Photopherese (ECP) eine lebenswichtige Behandlungsoption. Frühere Systeme sind jedoch oft mit langwierigen Verfahren verbunden und für den pädiatrischen Einsatz nur begrenzt geeignet.
Mit der Einführung von Amicus Blue können Behandlungsteams die ECP-Therapie besser an die Größe und den Zustand der Kinder anpassen. Die Krankenhäuser verfügen damit nun über eine Option, die besser auf die Besonderheiten bei der Behandlung von Kindern abgestimmt ist, wodurch sich die Behandlungsbelastung verringern lässt und eine angemessenere Versorgung für besonders vulnerable junge Patientinnen und Patienten ermöglicht wird. Dieses Beispiel unterstreicht, wie die Weiterentwicklung etablierter Technologien die Durchführung komplexer Therapien im pädiatrischen Bereich verbessert.
4 – USA: Stärkung der Versorgungssicherheit in der Onkologie
In den USA sind onkologische Kliniken weiterhin mit Engpässen bei generischen Krebsmedikamenten konfrontiert, was eine anhaltende Herausforderung für die öffentliche Gesundheit darstellt. Diese Versorgungsengpässe können die Behandlungsplanung erschweren und sowohl bei medizinischem Fachpersonal als auch bei Patientinnen und Patienten große Unsicherheit auslösen sowie in einigen Fällen die Behandlungsergebnisse gefährden.
Um diesem Risiko entgegenzuwirken, zielt das Projekt GOLD (Generic Oncology Lifesaving Drugs) – ein Multi-Stakeholder-Pilotprojekt, das von Angels for Change initiiert wurde und bei dem Fresenius Kabi Gründungsmitglied ist, gemeinsam mit zwei weiteren Industriepartnern – darauf ab, den Zugang von Patientinnen und Patienten zu lebenswichtigen onkologischen Arzneimitteln zu sichern. Die Initiative soll Lieferengpässen vorbeugen, indem sie einen strategischen Pufferbestand essenzieller onkologischer Injektionspräparate in den USA vorhält. Integriert in die Drug Crisis Hotline und das Global Supply Sharing Network von Angels for Change ermöglicht sie eine Echtzeit-Transparenz über dringende Bedarfe sowie eine schnelle Bereitstellung bei Lieferengpässen.
Durch die Stärkung der Resilienz entlang der Lieferkette für generische Onkologika trägt Project GOLD dazu bei, die Kontinuität der Versorgung sicherzustellen und liefert zugleich einen skalierbaren, langfristigen Ansatz zur Reduzierung versorgungsbedingter Risiken auf nationaler Ebene.
5 – USA: Versorgungskontinuität bei seltenen Immunerkrankungen
Für Patientinnen und Patienten mit seltenen Immunerkrankungen wie dem variablen Immundefektsyndrom, kurz CVID, ist ein lückenloser Zugang zu einer intravenösen Immunglobulintherapie lebenswichtig. Unterbrechungen in der Bereitstellung von Blutplasma können schnell zu gravierenden Gesundheitsrisiken führen.
Cannan lebt mit CVID. Der zuverlässige Zugang zu aus Blutplasma gewonnenen Immunglobulintherapien ermöglicht Patientinnen und Patienten wie ihm eine kontinuierliche Behandlung und einen besser planbaren Tagesablauf. Fresenius Kabi unterstützt diese Kontinuität der Versorgung, indem das Unternehmen medizinische Technologien bereitstellt, die eine sichere und effiziente Plasmaspende ermöglichen – ein essenzieller erster Schritt für die Herstellung zuverlässiger plasmaderivierter Therapien. Eine verlässliche Plasmagewinnung bildet die entscheidende Grundlage für eine kontinuierliche Behandlung und ein langfristiges Krankheitsmanagement. Cannans Geschichte verdeutlicht die menschliche Dimension einer verlässlichen Plasmaversorgung: Ein kontinuierlicher Therapiezugang hält Patientinnen und Patienten in Behandlung, reduziert die Belastung für Familien und gewährleistet eine kontinuierliche Versorgung von Menschen mit seltenen Immunerkrankungen.
6 – Vereinigtes Königreich: komplexe Ernährungsversorgung zu Hause
Für Menschen, die auf parenterale Ernährung zu Hause angewiesen sind, kann der Alltag eng an Krankenhausroutinen gebunden sein, was ihre Unabhängigkeit einschränkt und das Familienleben beeinträchtigt.
Im Vereinigten Königreich ermöglichen spezialisierte Pflegekräfte von Fresenius Kabi den Patientinnen und Patienten die sichere Versorgung mit parenteraler Ernährung zu Hause. Durch regelmäßige Besuche, Überwachung und praktische Schulungen werden Patientinnen und Patienten dabei unterstützt, ihre Therapie außerhalb des Krankenhauses selbstständig zu managen. Für Menschen, die mit Erkrankungen wie Morbus Crohn leben oder sich von einer Darmkrebsbehandlung erholen, kann dieses Versorgungsangebot dazu beitragen, wieder zu einem geregelten Alltag und mehr Selbstständigkeit zu kommen. Das Beispiel zeigt, wie Homecare-Modelle die Gesundheitsversorgung über die Versorgung im Krankenhaus hinaus erweitern und eine besser zugängliche und patientenorientierte Versorgung ermöglichen.
7 – Kolumbien: verbesserter Zugang zu Behandlungen durch Biosimilars
Das Leben mit einer chronischen Erkrankung kann mit anhaltender körperlicher Belastung und Unsicherheit in Bezug auf den Zugang zu wirksamen Behandlungen verbunden sein. Für Menschen wie Gloria wirkten sich die Sorgen um die langfristige Bezahlbarkeit und Kontinuität der Behandlung sowohl auf ihre Gesundheit als auch auf ihr Gefühl von Sicherheit und Unabhängigkeit negativ aus.
Durch ein Biosimilar von Fresenius Kabi erhielt Gloria Zugang zu einer kostengünstigeren Behandlungsoption, die denselben Standards bei Sicherheit und Wirksamkeit entspricht wie das Referenz-Biologikum. Die zuverlässige Verfügbarkeit dieser Therapie unterstützte bei Gloria das laufende Krankheitsmanagement und verringerte ihre Sorgen bezüglich Behandlungsunterbrechungen. Ihre Erfahrung verdeutlicht, welche Rolle Biosimilars dabei spielen, den Zugang zu lebenswichtigen Therapien zu verbessern, insbesondere für Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen. Indem sie die Bezahlbarkeit und Kontinuität der Behandlung verbessern, können Biosimilars einen sozialen Mehrwert bieten, der über die einzelnen Patienten hinausgeht.
1 Quelle: Medicines for Europe; IQVIA, „Beneath the Surface: Unravelling the True Value of Generic Medicines“, 2024
Frembassadors: Beschäftigte als Botschafterinnen und Botschafter
Was macht Fresenius als Arbeitgeber besonders? Die Menschen, die gemeinsam bei uns arbeiten. Ihre authentischen Geschichten aus dem Arbeitsalltag wollen wir nach außen sichtbar machen. Deshalb hat das Team Employer Branding 2022 ein spezielles Programm ins Leben gerufen: Die Frembassadors – ein Wortspiel aus Fresenius und Ambassadors, also Botschafterinnen und Botschafter von Fresenius. Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt können sich freiwillig dieser Community anschließen.
Sarah-Ann Krüger, Manager Employer Branding & University Relations bei Fresenius, leitet das Programm und erläutert uns die Idee.
Sarah-Ann Krüger: „Die Frembassador Community richtet sich an alle, die Lust haben, sich an Employer-Branding-Aktivitäten zu beteiligen, z. B. durch das Beisteuern von Inhalten für Social Media und die Karriere-Website oder durch die Unterstützung bei Karriere-Events, um Fresenius als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren. Gleichzeitig bietet sie Raum für Austausch und Vernetzung über die Grenzen der eigenen Abteilung und Unternehmensbereiche hinweg. Wir sind inzwischen eine große, heterogene Gruppe: Ende 2025 waren bereits mehr als 170 Frembassadors in 19 Ländern auf vier Kontinenten Teil der Community.“
Andre Jochen ist Director Regulatory Affairs & Quality bei Fresenius Kabi in Brasilien und seit 2022 Frembassador. Er hat uns erzählt, warum es sich lohnt, mitzumachen.
Andre Jochen: „Wir Frembassadors helfen dabei, unsere Arbeit und unsere Standorte nach außen sichtbarer zu machen. Wir können an digitalen Kursen teilnehmen, die praxisnah und unterhaltsam Themen wie Personal Branding, Networking und Social-Media-Tipps behandeln. Ich habe insbesondere von den Kursen profitiert, weil sie mir geholfen haben, meine Positionierung auf meinem LinkedIn‑Profil zu schärfen und klar sowie nachvollziehbar zu vermitteln, wie es ist, bei Fresenius im Bereich Regulatory Affairs & Quality zu arbeiten. Ich bin sehr gerne Teil der Frembassador Community, weil sie Brücken zwischen Regionen – unter anderem innerhalb Brasiliens – baut und uns dazu inspiriert, verantwortungsvoll über unsere Arbeit zu kommunizieren.“
Im Jahr 2026 wird der weitere Ausbau des Programms evaluiert.
Was ist eigentlich … ein Krankenhaus-Cluster?
Fresenius Helios hat seine rund 80 Kliniken in Deutschland in 21 Clustern zusammengefasst. Ein Cluster ist ein Verbund von durchschnittlich drei bis vier Krankenhäusern in einer Region, die eng zusammenarbeiten. Dazu gehören kleinere Kliniken in Wohnortnähe, spezialisierte Fachkliniken und große Zentren für komplexe Behandlungen.
Ziel ist es, die Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen sowie gleichzeitig die medizinische Qualität und Effizienz weiter auszubauen. In einem Cluster übernimmt jedes Krankenhaus eigene Aufgaben, die zu ihrem Schwerpunkt passen. Anspruchsvolle, komplexe Eingriffe werden in Zentren mit viel Erfahrung durchgeführt, während andere Krankenhäuser die wohnortnahe Versorgung gewährleisten. Die gemeinsame Nutzung von Fachwissen, Geräten und Infrastruktur sowie die enge Zusammenarbeit zwischen den medizinischen Fachabteilungen ermöglichen eine aufeinander abgestimmte und zugleich hochwertige Versorgung. Gleichzeitig werden Doppelstrukturen vermieden. Dadurch können Patientinnen und Patienten dort behandelt werden, wo sie am besten versorgt werden können.
Zu den Clustern gehören auch die mehr als 200 Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) von Helios – also ambulante Praxen für Untersuchungen und Behandlungen ohne Krankenhausaufenthalt. Durch eine enge Verzahnung zwischen Kliniken und MVZ sollen Termine, Diagnosen und Therapien besser koordiniert und die Behandlungsabläufe weiter verbessert werden. Digitale Angebote, etwa Videosprechstunden oder der elektronische Austausch wichtiger Befunde, erleichtern die Zusammenarbeit zusätzlich.
Mit der Clusterbildung greift Helios zentrale Elemente der Krankenhausreform in Deutschland frühzeitig auf. Die Reform verfolgt das Ziel, Versorgungsstrukturen stärker miteinander zu vernetzen, um Qualität und Effizienz in der Versorgung zu erhöhen. So soll eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung in Deutschland langfristig sichergestellt werden.
Verbesserung der Patientenerfahrung: digitalisierte Versorgung und Energieverbrauch verbinden
Die Patientenerfahrung zu verbessern, ist für Fresenius eine der vorrangigen Prioritäten – und die Digitalisierung spielt dabei eine wichtige Rolle. Im Rahmen eines Pilotprojekts verknüpfte Quirónsalud 2025 in einem Krankenhaus im Süden Spaniens unsere digitale Plattform Casiopea mit dem Gebäudemanagementsystem des Krankenhauses. Ziel der Initiative ist es, nur die Räume zu klimatisieren, die gerade in Nutzung sind. Sollte sich das Pilotprojekt als erfolgreich erweisen, wird die Lösung in allen Krankenhäusern eingeführt, die dasselbe Gebäudemanagementsystem nutzen.
Begleiten Sie unsere Patientin María bei der Behandlung ihrer Knieschmerzen und entdecken Sie mit ihr die Vorteile, die dieser Ansatz für ihre Versorgung hat.
Resistente Erreger: Vorbeugung bei der Antibiotikaproduktion und in Kliniken
Antibiotika spielen eine zentrale Rolle in der modernen Medizin. Sie behandeln bakterielle Infektionen und verhindern deren weitere Ausbreitung. Doch ihre Wirksamkeit ist in bestimmten Fällen nicht mehr zuverlässig: Weltweit breiten sich antimikrobielle Resistenzen (AMR) aus – resistente Erreger.
Solche Bakterien werden hauptsächlich von Person zu Person übertragen, oft geschieht dies im Krankenhaus. Gelangen sie über das Abwasser in die Umwelt, können sie sich aber auch über diesen Weg verbreiten. Die Folge: Infektionen, die früher leicht behandelbar waren, können heute lebensbedrohlich werden. Die Hauptursache für diese Entwicklung ist der falsche und übermäßige Einsatz von Antibiotika bei Menschen, Tieren und Pflanzen.
Fresenius möchte als Gesundheitsunternehmen einen Beitrag dazu leisten, die Ausbreitung resistenter Erreger einzudämmen. Dazu setzt der Konzern verschiedene Maßnahmen um – sowohl bei der Antibiotikaherstellung als auch im Klinikalltag.
Verantwortungsvolle Produktion von Antibiotika
Fresenius Kabi stellt intravenöse Antibiotika her. Dabei ist eine sorgfältige Überwachung von Abfällen und Abwässern unerlässlich, damit Antibiotikarückstände nicht unkontrolliert in die Natur gelangen können. Im Jahr 2025 hat Fresenius Kabi für vier Antibiotika, die an drei Standorten in Österreich, Polen und Portugal produziert werden, die BSI Kitemark™-Zertifizierung für „Minimized Risk of Antimicrobial Resistance“ („Geringes Risiko antimikrobieller Resistenzen“) erhalten. Die Zertifizierung bestätigt, dass der „Antibiotic Manufacturing Standard" der AMR Industry Alliance eingehalten wird und Antibiotikarückstände in Abfällen und Abwässern angemessen kontrolliert werden und Unternehmen damit eine verantwortungsvolle Antibiotikaproduktion fördern.
Was ist die AMR Industry Alliance?
Im Jahr 2022 veröffentlichte die AMR Industry Alliance den „Antibiotic Manufacturing Standard“, an dessen Erarbeitung sich Fresenius Kabi als Mitglied beteiligt hat. Dieser Standard soll Herstellern eine Anleitung für eine verantwortungsvolle Antibiotikaherstellung geben. Seit 2023 können Hersteller die Einhaltung des Standards durch die BSI Group mit dem BSI Kitemark™ für „Minimized Risk of Antimicrobial Resistance“ extern zertifizieren lassen.
Antibiotikamanagement im Krankenhaus
Auch in unseren Krankenhäusern steht konsequentes Antibiotikamanagement im Mittelpunkt. Helios und Quirónsalud setzen in ihren Krankenhäusern Antibiotika zur Behandlung bakterieller Infektionen ein. Ein zentraler Hebel zur Vermeidung von AMR sind wirksame Hygienemaßnahmen – mit dem Ziel, nosokomiale Infektionen, also solche, die während eines Aufenthalts im Krankenhaus erworben werden können, zu verhindern. Darüber hinaus haben alle Helios Kliniken bereits 2012 ein Antibiotika-Reporting eingeführt, um zu überwachen, wie oft und in welchem Umfang Antibiotika eingesetzt werden. 2019 kam ein Programm zum Thema Antibiotic Stewardship (ABS) hinzu. Es umfasst unter anderem Schulungen für medizinisches Personal, gemeinsame Therapieleitlinien, digital gesteuerte Verschreibungen und ein zentrales Infektionsmonitoring.
„Die Belastung durch antimikrobielle Resistenzen ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch relativ gering, wird jedoch voraussichtlich steigen – was bedeutet, dass künftig auch bei uns weniger Antibiotika wirksam sein könnten. Nur ein gezieltes Antibiotikamanagement kann das verhindern oder zumindest eindämmen.“
Dr. med. Felix Giebel
Chefarzt der Abteilung für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene am Helios Universitätsklinikum Wuppertal und Leiter der Fachgruppe Infektiologie
In Barcelona startete 2020 im dortigen Quirónsalud-Krankenhaus ein ähnliches Programm. Es fördert den gezielten und verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika – auf Basis standardisierter Leitlinien, interdisziplinärer Teams und einer kontinuierlichen Überprüfung der Verschreibungen. Darüber hinaus entwickelte Quirónsalud ein KI-gestütztes System zur Infektionskontrolle und Prävention.
Was haben Narkosegase mit dem Klima zu tun?
Narkosegase sind aus der modernen Medizin nicht wegzudenken. Zugleich sind sie eine der größten direkten Emissionsquellen im Klinikbetrieb – ihr Treibhauspotenzial übersteigt das von CO2 um ein Vielfaches. Normalerweise gelangt ein Großteil dieser Gase ungefiltert an die Außenluft. Moderne Medizintechnik ermöglicht es, Narkosegase mithilfe spezieller Systeme aufzufangen, statt sie ungehindert in die Atmosphäre abzugeben. Im Jahr 2023 wurde in 19 Helios Kliniken ein System zum Auffangen der Narkosegase eingeführt. Seit 2025 sind auch alle Beatmungsplätze auf Intensivstationen in Deutschland damit ausgestattet.
Doch wie genau funktioniert das System – und was bedeutet es für den Alltag auf der Station? Dazu haben wir unsere Expertinnen und Experten befragt.
Im Gespräch:
Dr. Achim Labuhn, Leitender Arzt der Konservativen Intensivmedizin am Helios Klinikum Krefeld und Helios Fachgruppenleiter Intensivmedizin
Dr. Stefan Wirtz, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und perioperative Schmerztherapie am Helios Klinikum Bad Saarow und Helios Fachgruppenleiter Anästhesiologie
Constanze von der Schulenburg, Leitung Helios Nachhaltigkeitskommunikation
Wie funktioniert das Auffangsystem?
Dr. Achim Labuhn: „Seit 2025 nutzen 51 unserer Intensivstationen Aktivkohlefilter, die am Beatmungsgerät angebracht werden. Die von der Patientin oder dem Patienten ausgeatmeten Narkosegase werden in diesen Filtern aufgefangen und somit nicht an die Außenluft abgegeben. Sobald das Fassungsvermögen der Filter erschöpft ist, werden sie vom Beatmungsgerät abgekoppelt. Der Hersteller der Filter kann die aufgefangenen Gase anschließend aus der Aktivkohle extrahieren und einer möglichen Wiederverwendung zuführen.“
Ändern sich dadurch die Abläufe für das Pflegepersonal sowie für die Patientinnen und Patienten?
Dr. Stefan Wirtz: „Für Pflegeteams und die Medizintechnik bringt die Umstellung nur geringe Änderungen mit sich. Die Handhabung der Filter ist einfach, und wir sorgen dafür, dass alle Beteiligten durch Schulungen und digitale Einweisungen gut vorbereitet sind. Auch für die Patientinnen und Patienten bleibt alles wie gewohnt: Die eingesetzten Systeme sind medizinisch anerkannt, sicher und bewährt. Deshalb haben wir entschieden, 2026 die Narkosegeräte in über 30 weiteren Kliniken auf das Auffangen von Narkosegasen umzustellen. Die ausgewählten Kliniken verursachen nach aktuellen internen Auswertungen bisher etwa 80 % des Narkosegasverbrauchs von Helios.“
Welche weiteren Maßnahmen kommen bei Narkosen zum Einsatz?
Constanze von der Schulenburg: „Das Auffangen der Narkosegase ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen wir Emissionen im Krankenhausbetrieb in den Blick nehmen. So verzichten wir seit 2024 komplett auf Lachgas in der Anästhesie und nutzen zudem konsequent das Minimal-Flow-Verfahren, bei dem nur so wenig Frischgas wie nötig verwendet wird. Darüber hinaus ersetzen wir das besonders klimaschädliche Narkosegas Desfluran durch Sevofluran, das weniger klimaschädlich ist.1“
Im Video zeigt Dr. Wirtz, wie das Auffangsystem funktioniert:
Ausführliche Informationen zu unserem Übergangsplan für den Klimaschutz finden Sie in unserem geprüften Nachhaltigkeitsbericht 2025.
1 Desfluran hat ein mehr als 2.500-fach größeres Treibhauspotenzial als CO2. Die Auswirkungen von Sevofluran sind dagegen mit einem 130-fachen Treibhauspotenzial geringer.