Sustainability Highlights Magazin 2025

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Resistente Erreger: Vorbeugung bei der Antibiotikaproduktion und in Kliniken

Antibiotika spielen eine zentrale Rolle in der modernen Medizin. Sie behandeln bakterielle Infektionen und verhindern deren weitere Ausbreitung. Doch ihre Wirksamkeit ist in bestimmten Fällen nicht mehr zuverlässig: Weltweit breiten sich antimikrobielle Resistenzen (AMR) aus – resistente Erreger.

Solche Bakterien werden hauptsächlich von Person zu Person übertragen, oft geschieht dies im Krankenhaus. Gelangen sie über das Abwasser in die Umwelt, können sie sich aber auch über diesen Weg verbreiten. Die Folge: Infektionen, die früher leicht behandelbar waren, können heute lebensbedrohlich werden. Die Hauptursache für diese Entwicklung ist der falsche und übermäßige Einsatz von Antibiotika bei Menschen, Tieren und Pflanzen.

Fresenius möchte als Gesundheitsunternehmen einen Beitrag dazu leisten, die Ausbreitung resistenter Erreger einzudämmen. Dazu setzt der Konzern verschiedene Maßnahmen um – sowohl bei der Antibiotikaherstellung als auch im Klinikalltag.

Verantwortungsvolle Produktion von Antibiotika

Fresenius Kabi stellt intravenöse Antibiotika her. Dabei ist eine sorgfältige Überwachung von Abfällen und Abwässern unerlässlich, damit Antibiotikarückstände nicht unkontrolliert in die Natur gelangen können. Im Jahr 2025 hat Fresenius Kabi für vier Antibiotika, die an drei Standorten in Österreich, Polen und Portugal produziert werden, die BSI Kitemark™-Zertifizierung für „Minimized Risk of Antimicrobial Resistance“ („Geringes Risiko antimikrobieller Resistenzen“) erhalten. Die Zertifizierung bestätigt, dass der „Antibiotic Manufacturing Standard" der AMR Industry Alliance eingehalten wird und Antibiotikarückstände in Abfällen und Abwässern angemessen kontrolliert werden und Unternehmen damit eine verantwortungsvolle Antibiotikaproduktion fördern.

Was ist die AMR Industry Alliance?

Im Jahr 2022 veröffentlichte die AMR Industry Alliance den „Antibiotic Manufacturing Standard“, an dessen Erarbeitung sich Fresenius Kabi als Mitglied beteiligt hat. Dieser Standard soll Herstellern eine Anleitung für eine verantwortungsvolle Antibiotikaherstellung geben. Seit 2023 können Hersteller die Einhaltung des Standards durch die BSI Group mit dem BSI Kitemark™ für „Minimized Risk of Antimicrobial Resistance“ extern zertifizieren lassen.

Antibiotikamanagement im Krankenhaus

Auch in unseren Krankenhäusern steht konsequentes Antibiotikamanagement im Mittelpunkt. Helios und Quirónsalud setzen in ihren Krankenhäusern Antibiotika zur Behandlung bakterieller Infektionen ein. Ein zentraler Hebel zur Vermeidung von AMR sind wirksame Hygienemaßnahmen – mit dem Ziel, nosokomiale Infektionen, also solche, die während eines Aufenthalts im Krankenhaus erworben werden können, zu verhindern. Darüber hinaus haben alle Helios Kliniken bereits 2012 ein Antibiotika-Reporting eingeführt, um zu überwachen, wie oft und in welchem Umfang Antibiotika eingesetzt werden. 2019 kam ein Programm zum Thema Antibiotic Stewardship (ABS) hinzu. Es umfasst unter anderem Schulungen für medizinisches Personal, gemeinsame Therapieleitlinien, digital gesteuerte Verschreibungen und ein zentrales Infektionsmonitoring.

„Die Belastung durch antimikrobielle Resistenzen ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch relativ gering, wird jedoch voraussichtlich steigen – was bedeutet, dass künftig auch bei uns weniger Antibiotika wirksam sein könnten. Nur ein gezieltes Antibiotikamanagement kann das verhindern oder zumindest eindämmen.“
Dr. med. Felix Giebel, Porträt (foto)

In Barcelona startete 2020 im dortigen Quirónsalud-Krankenhaus ein ähnliches Programm. Es fördert den gezielten und verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika – auf Basis standardisierter Leitlinien, interdisziplinärer Teams und einer kontinuierlichen Überprüfung der Verschreibungen. Darüber hinaus entwickelte Quirónsalud ein KI-gestütztes System zur Infektionskontrolle und Prävention.