Was haben Narkosegase mit dem Klima zu tun?
Narkosegase sind aus der modernen Medizin nicht wegzudenken. Zugleich sind sie eine der größten direkten Emissionsquellen im Klinikbetrieb – ihr Treibhauspotenzial übersteigt das von CO2 um ein Vielfaches. Normalerweise gelangt ein Großteil dieser Gase ungefiltert an die Außenluft. Moderne Medizintechnik ermöglicht es, Narkosegase mithilfe spezieller Systeme aufzufangen, statt sie ungehindert in die Atmosphäre abzugeben. Im Jahr 2023 wurde in 19 Helios Kliniken ein System zum Auffangen der Narkosegase eingeführt. Seit 2025 sind auch alle Beatmungsplätze auf Intensivstationen in Deutschland damit ausgestattet.
Doch wie genau funktioniert das System – und was bedeutet es für den Alltag auf der Station? Dazu haben wir unsere Expertinnen und Experten befragt.
Im Gespräch:
Dr. Achim Labuhn, Leitender Arzt der Konservativen Intensivmedizin am Helios Klinikum Krefeld und Helios Fachgruppenleiter Intensivmedizin
Dr. Stefan Wirtz, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und perioperative Schmerztherapie am Helios Klinikum Bad Saarow und Helios Fachgruppenleiter Anästhesiologie
Constanze von der Schulenburg, Leitung Helios Nachhaltigkeitskommunikation
Wie funktioniert das Auffangsystem?
Dr. Achim Labuhn: „Seit 2025 nutzen 51 unserer Intensivstationen Aktivkohlefilter, die am Beatmungsgerät angebracht werden. Die von der Patientin oder dem Patienten ausgeatmeten Narkosegase werden in diesen Filtern aufgefangen und somit nicht an die Außenluft abgegeben. Sobald das Fassungsvermögen der Filter erschöpft ist, werden sie vom Beatmungsgerät abgekoppelt. Der Hersteller der Filter kann die aufgefangenen Gase anschließend aus der Aktivkohle extrahieren und einer möglichen Wiederverwendung zuführen.“
Ändern sich dadurch die Abläufe für das Pflegepersonal sowie für die Patientinnen und Patienten?
Dr. Stefan Wirtz: „Für Pflegeteams und die Medizintechnik bringt die Umstellung nur geringe Änderungen mit sich. Die Handhabung der Filter ist einfach, und wir sorgen dafür, dass alle Beteiligten durch Schulungen und digitale Einweisungen gut vorbereitet sind. Auch für die Patientinnen und Patienten bleibt alles wie gewohnt: Die eingesetzten Systeme sind medizinisch anerkannt, sicher und bewährt. Deshalb haben wir entschieden, 2026 die Narkosegeräte in über 30 weiteren Kliniken auf das Auffangen von Narkosegasen umzustellen. Die ausgewählten Kliniken verursachen nach aktuellen internen Auswertungen bisher etwa 80 % des Narkosegasverbrauchs von Helios.“
Welche weiteren Maßnahmen kommen bei Narkosen zum Einsatz?
Constanze von der Schulenburg: „Das Auffangen der Narkosegase ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen wir Emissionen im Krankenhausbetrieb in den Blick nehmen. So verzichten wir seit 2024 komplett auf Lachgas in der Anästhesie und nutzen zudem konsequent das Minimal-Flow-Verfahren, bei dem nur so wenig Frischgas wie nötig verwendet wird. Darüber hinaus ersetzen wir das besonders klimaschädliche Narkosegas Desfluran durch Sevofluran, das weniger klimaschädlich ist.1“
Im Video zeigt Dr. Wirtz, wie das Auffangsystem funktioniert:
Ausführliche Informationen zu unserem Übergangsplan für den Klimaschutz finden Sie in unserem geprüften Nachhaltigkeitsbericht 2025.
1 Desfluran hat ein mehr als 2.500-fach größeres Treibhauspotenzial als CO2. Die Auswirkungen von Sevofluran sind dagegen mit einem 130-fachen Treibhauspotenzial geringer.