Wenn jeder Tag zählt: EASYGEN soll Zelltherapien zugänglicher machen
Bei schweren Krebserkrankungen kann Zeit zum entscheidenden Faktor werden. Die CAR‑T‑Zelltherapie, eine hochwirksame und individuell hergestellte Immuntherapie, dauert in der Vorbereitung und Durchführung heute allerdings oft sehr lange. Hier setzt das von der EU geförderte Projekt EASYGEN (Easy workflow integration for gene therapy) an: Ein Konsortium aus 18 internationalen Partnern untersucht, wie sich die komplexen Herstellungs- und Versorgungsabläufe der speziellen Therapieform vereinfachen und besser in den Klinikalltag integrieren lassen.
Die CAR‑T‑Zelltherapie ist eine Form der Immuntherapie, bei der T‑Zellen einer Patientin oder eines Patienten entnommen, im Labor genetisch verändert und anschließend wieder zugeführt werden, um bestimmte Krebszellen zu erkennen und zu vernichten. Die Herstellung erfolgt immer individuell für jede einzelne Person, und sie erfordert eine spezialisierte Infrastruktur sowie umfangreiche Qualitätskontrollen. Dies nimmt bis zu sechs Wochen in Anspruch. Hinzu kommen internationale Transportwege und eine bisher begrenzte Zahl qualifizierter Zentren für die Therapieanwendung. Diese strukturellen Faktoren führen dazu, dass bislang nur ein kleiner Teil der infrage kommenden Patientinnen und Patienten einen Zugang zur Behandlung erhält. Weltweit haben bislang rund 45.000 Menschen eine solche Therapie erhalten (Stand: Dezember 2025), während der Großteil der Patientinnen und Patienten – in Europa rund 80 % (laut IQVIA Report 2025) – weiterhin unversorgt bleibt.
Der klassische Herstellungsweg:
Die Zellen durchwandern viele Stationen, etwa Transport, Laborprozesse wie Gefrieren und Qualitätsprüfungen. Das dauert typischerweise bis zu sechs Wochen, bevor die Patientin oder der Patient die CAR-T-Zellen zurückerhält.
Der Herstellungsweg mit EASYGEN:
Die Verarbeitung der Zellen erfolgt direkt vor Ort, wo sie gebraucht werden, in einem geschlossenen, automatisierten System. Der gesamte Ablauf von der Gewinnung der Zellen bis zur Rückgabe an die Patientin oder den Patienten soll dadurch auf unter 24 Stunden verkürzt werden.
Das Ziel von EASYGEN ist es, die vielen einzelnen Arbeitsschritte in Laboren und Kliniken besser aufeinander abzustimmen. Unter der Leitung von Fresenius arbeiten verschiedene europäische Unternehmen und wissenschaftliche Institutionen für einen schnelleren und leichteren Zugang von Patientinnen und Patienten zusammen. Standardisierte Module, eine digitale Dokumentation, klar definierte Schnittstellen und stärker automatisierte Abläufe sollen die komplexe Zellherstellung wie auch den Einsatz in der Versorgung langfristig vereinfachen. Dank EASYGEN könnte allein die Herstellung personalisierter Zelltherapien nur noch wenige Tage statt mehrerer Wochen dauern.
Bei Fresenius fließen dafür verschiedene Kompetenzen zusammen: Fresenius Kabi unterstützt das Projekt durch seine Expertise in der automatisierten Zellverarbeitung. Das bestehende geschlossene Zellwaschsystem Cue wird dafür um zusätzliche Funktionalitäten erweitert. Helios und Quirónsalud ergänzen das Projekt mit Erfahrungswerten aus der Anwendung von CAR‑T‑Therapien in deutschen und spanischen Krankenhäusern. Beide Klinikgruppen testen im Projektverlauf den neuen Herstellungsprozess unter realen Versorgungsbedingungen. Als Teil der Konzernfunktion Corporate Development übernimmt das Research Office die wissenschaftliche und strategische Leitung des europäischen Konsortiums. Es hat das Projekt konzipiert und angestoßen, fungiert als Hauptverantwortlicher (Principal Investigator) gegenüber der EU und steuert die übergreifenden Governance-Strukturen. Durch die gezielte Vernetzung der Partner, die internationale Positionierung des Projekts sowie die kontinuierliche Ausrichtung an wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen soll EASYGEN die Rolle von Fresenius im Innovationsfeld Zell- und Gentherapie stärken.
So kann das Projekt zu einer effizienteren und moderneren Gesundheitsversorgung beitragen und die Voraussetzungen schaffen, damit innovative Therapien künftig mehr Patientinnen und Patienten erreichen.